Verkehrskonzept Kötzschenbroda – Variante 0

In der Stadtratssitzung am 25. November 2020 wurde der von der Bürgerschaft favorisierte „Variante 0“ zugestimmt. Die Fraktion Bürgerforum/Grüne/SPD enthielt sich sowohl im SEA als auch im Stadtrat und begründete ihre Haltung entsprechend.

Variante 0 – Bestandsnahe Umgestaltung   

„In Variante 0 bleibt die Verkehrsführung für alle Verkehrsteilnehmer unverändert. Der Bestand wird lediglich an den Knotenpunkten und für den ruhenden Verkehr optimiert. Als Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer wird am Knoten Bahnhofstraße/Güterhofstraße eine Bedarfsampel angeordnet, und am Knoten Bahnhofstraße/H.-Ilgen-Straße/W.-Eichler-Straße wird die bauliche Fassung der Fahrbahn- und Gehwegflächen der Kreuzung erneuert. Damit die Gehwege der mittleren Bahnhofstraße den Fußgängern vorbehalten bleiben können, sollen die Stellplätze in diesem Abschnitt entfallen. Als Alternativen für den ruhenden Verkehr stehen die Parkplätze An der Festwiese und an der Güterhofstraße (Erweiterung des Stellplatzangebotes) zur Verfügung.“

Im Vorfeld der Abstimmung hat sich die Werbegilde Altkötzschenbroda mit einer Stellungnahme an die Stadträte gewandt, in der sie im Wesentlichen anprangert, dass durch die wegfallenden Parkplätze ein Ladensterben vorprogrammiert ist und sich dadurch die Bahnhofstraße nicht automatisch in eine „Bummelmeile“ verwandelt, in der man sich gerne aufhält.

Wir finden, diese Sichtweise ist nicht unbegründet und eine Reaktion auf die halbherzige Entwicklung des Sanierungsgebietes Radebeul West. Wir antworten der Werbegilde mit diesem Offenen Brief:

Fraktion BÜRGERFORUM.GRÜNE.SPD Radebeul

Radebeul, 28.11.2020

Offener Brief

Liebe Mitglieder der Kultur- und Werbegilde,

Ihre „Stellungnahme zum Thema Parkplätze Bahnhofstraße“ haben wir in der Stadtratssitzung am 25.11. erhalten. Wir verstehen Ihr Anliegen und haben uns bei der Abstimmung im Stadtrat und auch im Stadtentwicklungsausschuss enthalten. 

Eine Verbannung der Parkplätze bei Erhalt der derzeitigen Verkehrsführung kann sich für die Händler der Bahnhofstraße tatsächlich negativ auswirken. Unsere Fraktion sieht es als kontraproduktiv an, wenn wir an einem Verkehrskonzept für die Bahnhofstraße herumdoktern, isoliert von den Zielstellungen für das Sanierungsgebiet. Wir hatten im Leitbild klare Ziele formuliert. Am Arbeitsprozess waren die Händler beteiligt.

Im Leitbild wurde folgendes festgehalten:

  • Entwicklung einer gemeinsamen Marke und Etablierung eines einheitlichen Marketings
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
  • Öffentliche Nutzung des Bahnhofgebäudes West als zentrales, prägendes Element im Stadtquartier als bauliche Initialzündung sowie Aufwertung des Bahnhofsvorplatzes
  • Serviceangebote verbessern und ausbauen
  • Schaffung von verbindenden Elementen zum Anger Altkötzschenbroda sowie zwischen der oberen und mittleren Bahnhofstraße (aktuell starke Trennung durch die Bahnlinie)
  • Neuordnung der Verkehrsströme zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens und des damit verbundenen Lärmpegels

Diese Ziele stehen bisher nur auf dem Papier. Keines davon wurde angegangen. Deshalb muss ich Ihnen recht geben: Die Aufenthaltsqualität wird durch den Wegfall der Parkplätze nicht verbessert. Dies allein macht die Bahnhofstraße noch nicht zu jener Bummelmeile, in der man sich gerne aufhält.

Das Leitbildziel, Verkehrsströme und Lärmpegel zu vermindern, erreichen wir nicht mit der Variante 0. Die Varianten 1 und 2 würden den Verkehr nur in benachbarte Wohngebiete verlagern, damit würden vielleicht dem Floriansprinzip gerecht, aber nicht dem Leitbild. In anderen Städten gibt es durchaus nachahmenswerte Beispiele wie mit Mobilitätskonzepten (nicht Verkehrskonzepten!) eine kluge Quartierentwicklung erreicht werden kann und Anwohner wie Geschäfte Nutzen daraus ziehen. Wir haben auch in Radebeul diesbezüglich Fachleute für diese Themen. Aber letzten Endes ist in einem demokratischen Gemeinwesen immer entscheidend, was die Mehrheit will und wie aktiv und mutig die EntscheiderInnen sind.

Eine Variante 0 unter Erhalt der Parkplätze kann eventuell noch einmal geprüft werden – damit sind wir aber keinen Schritt weiter als vor 10 Jahren und werden auch hier weiterhin das Problem des Ladensterbens haben – wie in den letzten Jahren.

Auch uns als Fraktion frustriert der fehlende Mut für Neues und das Ergebnis, dass es nach langen Diskussionen keine Mehrheiten für eine Bewegung gibt – und wie gesagt, andere machen es uns vor!

Angela Zscheischler

Stadträtin