Bei Glasinvest wird nun gebaut – eine weitere verpasste Chance für eine bürgerfreundliche Stadtentwicklung

Mit 18 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen hat der Stadtrat am 18.12.2019 für den Bau an der Meißner Straße gestimmt.

Eva Oehmichen dazu:

Die Fläche des ehemaligen Glasinvest beschäftigt uns als Stadtrat schon viele Jahre.

Bevor 2011 ein städtebaulicher Wettbewerb stattfand, hat sich die Verwaltung gemeinsam mit dem Stadtrat und interessierten Bürgern über die städtebauliche Konzeption Gedanken gemacht und Ziele festgelegt.

Das Zentrum Radebeul Ost sollte erweitert werden, angebunden an die Hauptstraße mit Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungsangeboten, Gastronomie, Grün und Aufenthaltsqualitäten.

Der nördliche Abschluss des Stadtteilzentrums Radebeul-Ost sollte also qualitätvoll weiterentwickelt werden.  Eine Verbindung über die Meißner Straße sollte geschaffen werden.

Im Ergebnis des Wettbewerbs entstanden interessante Entwürfe und Varianten verschiedener Architekten und es wäre eine Chance für das Stadtteilzentrum gewesen, diese umzusetzen. Der damalige Bauträger TLG wäre dazu bereit gewesen.

Die Umsetzung hat die Stadt verhindert.

Es entstanden Ängste, dass zum Beispiel der REWE- Markt am Bahnhof und die anderen Geschäfte zu große Konkurrenz bekommen könnten.

Nun haben wir Pläne für eine Bebauung vorliegen, bei der die städtebaulichen Ziele von damals nicht mehr zu erkennen sind. Die Stadt hat sich die Planungshoheit praktisch aus den Händen nehmen lassen. Wir Stadträtinnen und Stadträte sind daran nicht unschuldig. Wir hätten es nicht zulassen dürfen und den Mut haben müssen, von Beginn an gegen diese Art der investorenfreundlichen Bebauung zu stimmen. Mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan hat der Investor die Planung in der Hand und wir als Stadträtinnen und Stadträte konnten lediglich Korrekturen an den uns vorgelegten Planungen einfordern. Das haben wir im Ausschuss aus meiner Sicht mit allen Fraktionen gemeinsam sehr verantwortungsvoll gemacht, um den städtebaulichen Schaden zu begrenzen.

Auf die Art und Weise der Nutzung haben wir überhaupt keinen Einfluss nehmen können.

Gerade laufen erste Planungen für den Bereich des Wasaparkes. Dort sollten wir wachsamer und mutiger sein und uns die Planung nicht auch aus der Hand nehmen lassen.

Wir sollten beschreiben, was wir für unsere Bürger, und zwar für alle Bevölkerungsschichten, und das Stadtklima brauchen und das auch einfordern.

Dafür brauchen wir zukünftig kommunale Bebauungspläne.

Die Bebauung entspricht aus unserer Sicht weder den sozialen, ökologischen noch ästhetischen Grundsätzen, die für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung in der Stadt von Nöten wären.

Wir brauchen in Radebeul nicht noch mehr Eigentumswohnungen, die zu großer Zahl zur Spekulation genutzt werden. Nein, wir müssen dafür sorgen, dass Wohnen bezahlbar ist, denn Wohnen ist ein Grundrecht.