Spielplätze - Bürgerforum/Grüne 2018

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Eva Oehmichen, Radebeul
seit 2009 als Stadträtin tätig



Bei Spielplätzen und Freizeitangeboten bleiben viele Wünsche offen in der jüngsten Stadt des Landkreises

Die Spielplatzsituation in Radebeul, eine Stadt, die selbst mit dem Markenzeichen der jüngsten Kommune des Landkreises  wirbt, ist traurig. Zwar wurden jüngst Spielplätze eingerichtet, aber entspannt ist die Lage dennoch nicht.
Zumal, wenn zweifelhafte Spielkonzepte mit scheinbar hohen Investitionskosten umgesetzt wurden, wie gerade beim Robert-Werner-Platz geschehen. Die Platzgestaltung ist insgesamt ansprechend, doch der Spielplatz indes lässt zu wünschen übrig: die Klettermöglichkeiten erschöpfen sich schnell für Kinder ab 4 Jahren, einen Sandspielplatz für die Kinder bis zu 4 Jahren gibt es nicht, es gibt Einzelwippen, die für kleinere Kinder schwer zu bewegen sind und für größere Kinder keinen Reiz haben. Für wen ist also der Spielplatz gedacht? Hier wurde leider viel Potential verschenkt. Die Größe des Platzes wäre geeignet, Spielmöglichkeiten für kleinere und größere Kinder zu schaffen, Ruhezonen für Eltern und ältere Bürger einzurichten, die sich in die avisierte Gartenatmosphäre fügen. Dass der Spielplatz dennoch von Kindern mit ihren Eltern besucht wird, liegt letztlich daran, dass es keine Alternativen in Laufnähe gibt.
Bei den älteren Spielplätzen der Stadt sieht es nicht besser aus. Der Spielplatz am Berufsschulzentrum ist in seiner Anlage eigentlich schön, aber die Wartung lässt zu wünschen übrig. Das Holzgerät braucht dringend einen neuen, nicht übermalbaren Anstrich, denn die Schmierereien Pubertierender sind jüngeren Schulkindern nicht zuzumuten. Der Sand-Wasser-Anlage kann keine Sinnhaftigkeit abgewonnen werden. Das Wasser läuft nur im Ausnahmefall, die angeleinten Klötze haben einen zweifelhaften Sinn, der eingefüllte Sand ist zum „Kuchen backen" denkbar ungeeignet.
Nach wie vor zu Konflikten kommt es am Spielplatz in der Wilhelm-Eichler-Straße, da er von Jugendlichen außerhalb der Öffnungszeiten als Bolzplatz missbraucht wird – sehr zum Unmut der Anwohner. Seitens der Stadt stehen maximal offene Ohren zur Verfügung – und damit hat es sich.
Aber hier wird deutlich, was die Stadt bisher massiv versäumt hat: ausreichend Freizeitangebote für Jugendliche zu schaffen. Es ist nicht hauptsächlich den Jugendlichen anzulasten, wenn sie für ihre Treffen Kinderspielplätze missbrauchen – sie haben keine  Alternativen. Nur deshalb treibt es sie in dieser Aussichtslosigkeit auf die einzigen öffentlichen Plätze und  dort vor Langeweile zu Unfug. Belehrungen an die Jugendlichen zu richten, wie vom Sozialamtsleiter vorgeschlagen, kommt schon einer Unverschämtheit gleich.  Vielmehr gilt es, mit den Jugendlichen ernsthaft in den Dialog zu treten und gut zuzuhören, was sie in ihrer Stadt für ihre Freizeitgestaltung brauchen.

Kinder brauchen erlebnisorientierte Spielmöglichkeiten

2006 verabschiedete der Stadtrat eine Spielplatzkonzeption. Seitens der Fraktion Bürgerforum/Grüne machte damals Gabriele Schirmer u.a. folgende Ausführungen:
„Der ideale Spielplatz ist die ungestaltete Wildnis. Sie animiert durch ihre Vielfalt an Farben, Formen, ihre Lebendigkeit, Frische und Wandlungsfähigkeit den Menschen sich mit ihr und mit sich selbst zu beschäftigen." (aus: Hohenauer; Spielplatz Gestaltung naturnah und kindgerecht). Beengte Wohnverhältnisse, die derzeitige Verkehrssituation, die fortschreitende Technisierung und Motorisierung sowie eine zunehmende Entfremdung von Naturphänomenen begrenzen bei mehr und mehr Kindern das Erleben ihrer körperlichen und psychisch-emotionalen Fähigkeiten.
Lebendig und sinnvoll gestaltete Spielflächen für Kinder und Jugendliche sind für abwechslungs- und erlebnisreiches Spielen in der Stadt daher unverzichtbar. Die angestrebte Gesamt-Spielfläche von ca. 25.000 qm sollte deshalb zügig realisiert werden. Wir schlagen vor, in die Gestaltung vor allem auch Kinder, d.h. die Nutzer selbst, und Eltern stärker einzubeziehen.
Zu kurz kommt die Frage, wie Kinder ganz allgemein in das Stadtleben integriert sind, wie wir hier unserer Verantwortung gerecht werden. Neben den mit Gerät ausgestatteten Spielplätzen brauchen Kinder auch das freie Spiel, die Suche nach selbst gestellten Aufgaben. Elbwiesen, Hänge und Wald bieten in Radebeul vielfältige Möglichkeiten. Dafür jedoch sind Straßenraum und Verkehr auch so zu gestalten, dass Kinder diese Orte gefahrlos erreichen können. Hier bestehen aus unserer Sicht noch große Defizite, da der innerstädtische Verkehr nicht ausreichend aus Sicht der Kinder geplant wird.
Auch kleine Grüninseln mit ein paar Bänken, analog z.B. dem Dorfplatz in Naundorf, fehlen in den städtisch geprägten Wohngebieten. Vielmehr sieht man Kinder oft nach der Schule etwas verloren an nicht ungefährlichen Straßenkreuzungen stehen, die Räder auf dem  Fußweg abgelegt, um noch ein wenig miteinander zu reden. Gerade an solchen Grüninseln könnten sich jedoch nicht nur Kinder, sondern alle Generationen treffen.
Die Spielplatzkonzeption konzentriert sich auf die Altersgruppe der 6-13jährigen. Darüber hinaus darf das Bedürfnis der jungen Jugendlichen nach Freizeitflächen nicht vernachlässigt werden. Diese möchten nicht nur in die Disco sondern suchen auch die Action im Freien. Wir stellen daher den Antrag, dass die Verwaltung ein Ideenpapier erarbeitet, aus dem ersichtlich wird, wie solch ein Jugendspielplatz ausgestattet sein könnte und wo er sich in Radebeul einordnen ließe; wir denken da z.B. an Radebeul-Mitte in Verbindung mit dem Krokofit oder auch an die Waldstraße.




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