Radverkehr - Bürgerforum/Grüne 2018

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Radverkehr

Martin Schaarschmidt,
seit 1994 im Stadtrat



RADverkehr in RADebeul: Verschenktes Potenzial -
"Mangelhaft" - Beim Fahrradklimatest landet die Stadt nur auf Platz 190


RAD
ebeul hat das RAD schon im Namen. Und tatsächlich werden im Raum RADebeul/Coswig 21 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem FahrRAD zurückgelegt, ein Spitzenwert in Sachsen. So sagt es jedenfalls die repräsentative Studie Mobilität in Dresden und Umgebung. Der FahrRADanteil liegt vor allem in größeren Städten meist niedriger, in Dresden bei 16 Prozent.  
Ist dieses Ergebnis auf besondere FahrRADfreundlichkeit unseres Bürgermeisters und des Stadtrates zurückzuführen? Der im vergangenen Jahr im Bundesverkehrsministerium vorgestellte FahrRADklima-Test des Allgemeinen Deutschen FahrRAD Clubs (ADFC) präsentierte erstmals auch Ergebnisse für RADebeul. Deutschlandweit   hatten 332 Städte die notwendige Mindestzahl der Fragebögen erreicht. Damit ist der ADFC-FahrRADklima-Test weltweit die größte Untersuchung ihrer Art.
In der Kategorie der Städte unter 100.000 Einwohner nahmen 252 Städte teil. Mit einem Notendurchschnitt von 3,99 landete RADebeul nur auf dem 190. Platz und damit im letzten Viertel. Das Engagement der Stadt RADebeul für den RADverkehr bewerteten die RADebeulerInnen mit der Note 4,6 als mangelhaft. Angemahnt wurden unter anderem die nicht ausreichende Breite der RADwege und das damit verbundene unzureichende Sicherheitsgefühl auf den vorhandenen RADwegen. Der geringe Stellenwert des RADverkehrs wird außerdem dadurch deutlich, dass nicht gegen Falschparker und weitere Hindernisse auf den RADwegen vorgegangen wird. Hindernisse bergen für die RADfahrerInnen ein hohes Gefahrenpotential. Einzig positiv hervorgehoben wird die Erreichbarkeit der Stadtzentren, die Kategorie schnitt mit einer Note von 2,78 am besten ab.
Das Ergebnis des ADFC-Tests deckt sich mit den Erfahrungen von Bürgerforum/Grünen. Seit nunmehr 20 Jahren klagen wir über die schlechte Infrastruktur für den RADverkehr, Sicherheitsprobleme und Rücksichtlosigkeit gegenüber RADfahrern. Jahr für setzen sich die Stadträte unserer Fraktion für den Neubau und  die Sanierung von RADwegen und die Beseitigung von Gefahrenstellen ein. Doch trotz des 2008 erreichten Grundsatzbeschlusses, dass dreieinhalb Prozent der jährlichen Bauinvestitions-Eigenmittel in RADebeul zum Ausbau von Geh- und RADwegen zu verwenden sind, nimmt die Stadtratsmehrheit regelmäßig ihren eigenen Beschluss nicht ernst und verschiebt statt dessen das Geld zugunsten angeblich wichtigerer Vorhaben. Doch unsere Kandidaten für die Stadtratswahl sind sich einig:  Wir werden weiter kämpfen, damit RADebeul nicht weiterhin das vorhandene Potenzial gedankenlos verschenkt.
Ein trauriges Beispiel ist die RADwegeverbindung von RADebeul West am Gottesacker zur Weintraubenstraße, die wir schon in den 90er Jahren gefordert und die von der Stadtverwaltung immer wieder versprochen wurde. Seit spätestens 2008 steht der Weg mit hoher Priorität im Verkehrsentwicklungsplan und damals wurden sogar schon 5.000 Euro für die Planung ausgegeben (siehe SZ-Artikel unten). Passiert ist bis heute nichts. 2009 wurde der Bau wegen dem Bahnbau um zwei Jahre verschoben. Die sind lange vorbei. 2012 gab es den nächsten Beschluss für die knapp 900 Meter lange Strecke. Und mit dem  Hinweis darauf wurde in der Planung für die Kötzschenbrodaer Straße ein RADweg völlig gestrichen. Wie Bittsteller in einem Obrigkeitsstaat kommen sich Stadträte vor, die auf die Durchsetzung gefasster Beschlusse drängen. Vor einem Jahr versprach OB Bert Wendsche schließlich, dass nach dem Bau der Kötzschenbrodaer Straße gleich 2015 der Ausbau des Gottesackers folgen soll. Da sind wir aber gespannt.
Übrigens: In RADebeul werden 41 Prozent der Wege vom sogenannten MIV, dem motorisierten Individualverkehr bewältigt, also dem Autoverkehr. Bei 21 Prozent RADverkehr ist das Verhältnis Auto zu Fahrrad also 2:1. Man stelle sich vor, wieviel Geld vorhanden wäre, wenn man dieses Verhältnis beim RADwegebau anlegen würde.

Link: Studie Mobilität in Dresden und Umgebung:
Zu finden bei www.Google.de  bzw. www.dvb.de "Staerker-mit-Bus-Bahn" /Erfolgreiche-Staedte/Broschuere_srv2008

Was die Presse vor sechs Jahren schrieb:

Stadt plant Radweg von Ost nach West
Wie dynamisch es in Radebeul vorangeht, wird deutlich, wenn man die SZ vom 7. 11. 2008 heraussucht. Dort heißt es zum Weg zwischen Gottesacker und Weintraubenstraße:  "Die Rede war schon oft davon, einen Radweg anzulegen, der zwischen dem an der Elbe und dem entlang der Meißner Straße wirklich mitten durch Radebeul führt. Jetzt will es die Stadt anpacken. Ein Radweg von Ost nach West soll es werden, der die Bezeichnung auch verdient. Bis zu 500 Bürger nutzen täglich den jetzigen Weg. Das Fahren gleicht allerdings eher einem Treten auf der Crossstrecke. Schlaglöcher zwischen alten Betonplatten und Pfützen mit Ausmaßen von Gartenteichen machen es vor allem vielen älteren Bürgern schwer."
Wiederholt sei aus dem Bauamt versprochen worden, wenigstens Teile des Weges auszubessern. Geschehen sei nichts Wesentliches. Jetzt allerdings hätten die Stadträte im Bauausschuss die Stadtverwaltung ermächtigt, mit fast 4600 Euro einen Planungsauftrag für den Radweg auszulösen.  
"Damit ist der Weg allerdings noch lange nicht ausgebaut," zweifelt der Redakteur aufgrund seiner Erfahrungen wohl schon selbst an der schnellen Realisierung. Immerhin formulierte die Stadtverwaltung in ihrem Auftrag an die Planer, dass der Weg mit hoher Priorität im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt aufgenommen ist. Stadträtin Gabriele Schirmer von Bürgerforum/Grünen begrüßte, dass es jetzt vorwärts gehen soll mit dem Radweg… Leider war diese Hoffnung, wie wir heute wissen, umsonst.




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