Frauen - Bürgerforum/Grüne 2018

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Frauen in der Kommunalpolitik

Fragen an Eva Oehmichen, Radebeul
Seit 2009 als Stadträtin tätig



Kommunalpolitik ist sehr männerdominant. Was hat sie dazu bewogen für ihre Kommune aktiv zu werden? Gab es eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Auslöser, der ihnen dazu den Anstoß gab?

Schon seit meiner Schulzeit engagiere ich mich ehrenamtlich sozial, kulturell und kirchlich, um meine Sichtweisen, Überzeugungen und Kritiken einzubringen.
Für mich gilt, nur wenn ich mich in irgendeiner Weise konstruktiv an der Gestaltung der Kommune und der Gesellschaft beteilige, habe ich das Recht mit meiner Kritik  Anstöße zu geben, denn nur so kann ich etwas bewegen.

Warum sollten mehr Frauen kommunalpolitisch tätig sein?

Obwohl in unserer Stadt etwa gleich viele Frauen und Männer leben, gibt es nur 22% Frauen im Stadtrat. Eine Minderheit fühlt sich erst ab einem Anteil von mehr als 30% der Gesamtgruppe nicht mehr fremd. Es sind also noch zu wenige Frauen im Stadtrat um wirklich Netzwerke bilden können und Frauenstimmen dann als "normal" zu empfinden. Gerade wenn es um kommunalpolitische Entscheidungen geht, um den Ausbau von Schulen und Kindertagesstätten, um Schul- und Fahrradwege aber auch die Schaffung einer seniorenfreundlichen Infrastruktur, haben Frauen oft einen anderen, wichtigen und sehr notwendigen Blick.

Würden sie der Aussage zustimmen: Frauen sind „Kommunikationsexpertinnen“?


Diese Aussage kann man sicherlich so absolut nicht stehen lassen.
Tatsächlich aber kommunizieren die meisten Männer anders als die meisten Frauen.
Ich erlebe es besonders im Stadtrat, dass Männer hierarchischer denken und kommunizieren. Frauen können sich in der Regel besser auf ihren Gesprächspartner einstellen.

Was war bzw. ist für sie die größte Herausforderung als Stadträtin?
Was bewegt sie? Was haben sie bewegt?


Im vergangenen November meldete sich die NPD kurzfristig im Rahmen ihrer „Brandstiftertour“ zu einer Kundgebung vor dem Radebeuler Asylbewerberheim an.
Innerhalb weniger Tage ist es einem Bündnis aus Kirchen, Vereinen und Parteien gelungen eine Veranstaltung gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus und die Diskriminierung der Flüchtlinge zu organisieren.
Ich bin noch immer sehr bewegt davon, dass so viele Radebeuler Bürgerinnen und Bürger unserem Aufruf gefolgt sind, und aus unserer Stadt ein so deutliches Zeichen gegen Diskriminierung gesendet haben. Ich finde es sehr gut, dass sich aus dem Bündnis im Sommer dieses Jahres der Verein „ Bündnis Buntes Radebeul e.V.“  gegründet hat und diese wichtige Arbeit weiter fortgesetzt wird.

Was wünschen sie sich für die Zukunft, wenn es um die Geschlechtergerechtigkeit der Zusammensetzung der Kommunalparlamente geht?


Die Parteien und Wählervereinigungen sollten dafür werben, dass sich mehr Frauen auf den KanditatInnenlisten platzieren lassen, um sich damit für ein kommunalpolitisches Amt zu bewerben. Dazu müssen Frauen persönlich angesprochen werden.
Solange Frauen in kommunalpolitischen Gremien in der Minderheit sind, werden sich Entscheidungen immer mehr an den Bedürfnissen der Männer orientieren.
Ich wünsche  mir, dass die familien- und besonders frauenunfreundlichen Bedingungen für die Stadtratsarbeit geändert werden. Während der Sitzungen wochentags 17 Uhr hat keine öffentliche Kinderbetreuung geöffnet und der arbeitende Partner ist in der Regel noch nicht zu Hause.


Am Ende würde ich noch ein kleines Statement zulassen....


Ich wünsche mir nicht nur für Radebeul eine wirklich gelebte Demokratie. Außerdem wünsche ich mir mehr Radwege, Spielplätze, Parkanlagen und frei zugängige Sportplätze in unserer Stadt.  



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