Energiekonzept - Bürgerforum/Grüne 2018

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Stellungnahme zum Kommunalen Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt Radebeul
vom 04.04.2014

Thomas Berndt


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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich das Kommunales Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt Radebeul gelesen.

Allerdings bin ich zutiefts irritiert, dass anstatt eine breite öffentliche Analyse und Diskussion unter Einbeziehung der in Stadt vorhandenen Kompetenzen zu initiieren bereits vorschnell im Bericht festgestellt wird, dass Radebeul seine Klima-Schutz Ziele übererfüllt hätte. Das verbietet sich meiner Meinung nach schon beim Anblick der CO2 Emissionen in der Grafik (Zahlen kann man keine genauen entnehmen), nachder nach den Umstellungen aufgrund der Wiedervereinigung in den frühen 90-er Jahren danach im Grunde ein ständiges Ansteigen der Emissionen zu verzeichnen ist. Nennenswerte Anstrengungen, diesem entgegen zu wirken, kann ich dem Bericht nicht entnehmen.

So wurde z. Bsp. der preisgekrönte Siegerentwurf für den Neubau eines Passivhaus-Schulgebäudes in der Schublade versenkt. Auch bei den komplexen Neubaustandorten hat die Stadt oft die Möglichkeiten für innovative, energieeffiziente Gesamtlösungen verstreichen lassen. Hier solte man meiner Ansicht nach deutliche Anforderungen an die Investoren richten. Hingegen feiert man die 3%-ige Reduzierung des Stromverbrauchs bei der Stadtbeleuchtung durch Einsatz moderner Leuchtmittel. Allerdings hat die Stadtbeleuchtung nur einen Anteil von 0,7 Prozent am Gesamtstrombedarf. Und aufgrund des geringen Einsparpotentials gegenüber den vorhandenen Natron-Lampen ist der Gesamt-Effekt tatsächlich vernachlässigbar.

Ein Blick auf die Web-Seite und den Initiativen in Oederan zeigt, womit die Stadt, wenn Sie denn Vorreiter sein will, sich messen sollte:
http://www.oederan.de/stadt/energiesparstadt-oederan/oederan-und-die-erneuerbaren-energien/

Dort findet man z. Bsp.:
"Die Stadt Oederan stellte 1991/92 ein kommunales Energiekonzept auf. Neben der Bilanzierung der Energieverbräuche in der Stadt, der Umrüstung auf emissionsarme Energieträger wurden auch einzelne Stadtteile für eine Umrüstung auf umweltfreundliche Energieträger untersucht. Die Vorzugsvariante für das Wohngebiet Freiberger Straße wurde 1993 in die Tat umgesetzt: Für über 620 Wohnungen in 19 Mehrfamilienhäusern wurden die Kohleeinzelheizungen durch eine solargestützten Nahwärmeversorgung mit Erdgas ersetzt. Sieben Häusern erhielten thermische Solaranlagen mit je 100 m² Fläche - damals die größte Solaranlage Sachsens. Ein Jahr später konnte das rekonstruierte Stadtbad mit 625 m² Solarabsorberfläche eingeweiht werden. So gibt es vor allem im Frühjahr angenehme Badewassertemperaturen."

Wie ich finde, zeigen sich bei offener Diskussion und gründlicher Analyse sowie der Einbeziehung von unabhängiger Sachkompetenz viele Gebiete auf, bei denen die Stadt Radebeul wirksame Beiträge zum Kima-Schutz leisten könnte. Diese müssen meiner Meinung nach auch in Angriff genommen werden, bevor man sich in Zufriedenheit zurücklehnt.

N
och ein Wort zum Strom-Mix der Elbtal-Stadtwerke: Anstatt dem überfälligen Ausstieg aus der Atomenergie Rechnung zu tragen, trauert man im Bericht dieser gefährliche, hinsichtlich der Entsorgungsfrage aktuell hochdiskutierter ungelöster Probleme, schweren Herzens nach. Auch ein Ausstieg aus dem Kima-Killer Nr 1, der Braunkohleverstromung, wird seitens des kommunalen Energieversorgers nicht annähernd diskutiert.

Dabei ist klar, nicht die Nutzung bestehender Anlagen und Maschinen auf Verschleiß ohne Wartung und Erneuerung (Bsp. Pumpspeicherwerk Niederwartha), sondern die Selbsterzeugung aus erneuerbaren Energien oder Bezug von nachhaltigen Anbietern erneuerbarer Energien, welche in den weiteren Ausbau investieren, verändert letztlich den Strom-Mix aus der Steckdose und trägt zum Schutz der Umwelt und des Klimas bei.

Stadtgrün, Erhalt der lockeren Besiedlungsstruktur in der Gartenstadt Radebeul, also Verringerung des Flächenverbrauchs/Versiegelung, energetische Sanierung bestehender Schulen und Gebäude sowie deren Nachnutzung, sind weitere Themen, die in diesem Zusammenhang diskutiert werden sollten.

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