Bahnhof West - Bürgerforum/Grüne 2018

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Sächsische Zeitung v. 26.06.2015

"Was tun gegen das Ladensterben?"
Der Stadtrat geht den ersten Schritt zum Sanierungsgebiet. Die Geschäfte brauchen aber sofort Hilfe

Von Ines Scholze-Luft
 
Ein Symbol. Um den Bahnhof Kötzschenbroda herum könnte sich das Sanierungsgebiet West entwickeln. Jetzt sollen erste Untersuchungen für dieses Gebiet starten.


Bild © Norbert Millauer

Radebeul-West. Schon wieder hat ein Geschäft zugemacht. Marcos Lampenladen auf der Bahnhofstraße zwischen Bahnbrücke und Meißner Straße. Hochgelobt von vielen Kunden, wegen guter Beratung und eines vielfältigen Angebots. Doch offensichtlich hat das alles nicht gereicht. Und wenige Meter weiter Richtung Altkötzschenbroda schließt jetzt der Nächste. Das Otto-Geschäft, weil die Inhaberin in Rente geht. Sieben Geschäfte stehen auf der Bahnhofstraße leer. West ist bald am Kollabieren, fürchten Stadträte wie Heinz-Jürgen Thiessen, Bürgerforum/Grüne.
Dass es in West wieder vorangehen muss und Händler und Anwohner nicht sich selbst überlassen werden dürfen – das ist schon länger Thema im Stadtrat. Vor allem im Zusammenhang mit dem Zauberwort Sanierungsgebiet. So mancher hat nach den Erfolgen rund um den Kulturbahnhof hier schon ein nächstes Ost gesehen. Allerdings unterscheidet sich die konkrete Situation in beiden Stadtteilen grundlegend – bereits durch den Verkauf des Bahnhofs Kötzschenbroda an einen privaten Investor, während der Kulturbahnhof mit Bibliothek und Volkshochschule ein Stadtkind ist. Nach ersten Kontakten zum neuen Eigentümer in West hofft die Stadt auf eine gute Zusammenarbeit. Und damit auch darauf, den Bahnhof mit in die Sanierungspläne einbeziehen zu können.
 
Vorbereitende Untersuchungen
 
Doch bevor es ans Planen geht, muss klar sein: Was ist da, was soll erreicht werden? Vorbereitende Untersuchungen nennt sich das, was ganz am Anfang des Sanierungsgebiets steht. Damit geht es jetzt los, hat der Stadtrat beschlossen. Und die betroffenen Grundstücke festgelegt – zwischen Meißner und Wilhelm-Eichler-Straße, Güterhofstraße und Gradsteg.
Zuerst wird nachgeschaut, was tatsächlich sanierungsbedürftig ist. Künftig soll nicht nur das Einkaufen in West wieder mehr Spaß machen. Auch das Drumherum muss stimmen, soll gut verknüpft sein – Schulen, Grünflächen, Gastronomie, Dienstleistungsbetriebe, der Nahverkehr. Sogenannte städtebauliche Missstände müssen verschwinden. Dazu gehört neben den Park-Problemen nicht zuletzt die Frage, wie die Kreuzungen Bahnhof- und Güterhofstraße sowie Hermann-Ilgen- und Wilhelm-Eichler-Straße gestaltet werden.
Dass Radebeul die Chance hat, sich so intensiv mit West zu beschäftigen, ist auch dem Bundesförderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren zu verdanken. In diese Förderung kommen allerdings nur sehr kleine Gebiete. Die Vorschläge müssen übersichtlich und die Baumaßnahmen in fünf bis sieben Jahren zu realisieren sein.
Dass es für das Sanierungsgebiet Zentrum Radebeul-West grundsätzlich eine Chance gibt, hat die Stadt schon beim Innenministerium ermittelt. Und darauf geachtet, dass sich das Gebiet mit weiteren städtischen Vorhaben wie an der alten Post und alten Feuerwache ergänzt. Das alles geht nur gemeinsam mit den Grundstückseigentümern, sagte Baubürgermeister Jörg Müller.
 
Die Angst ist spürbar
 
Doch immer mehr wird jetzt die Angst spürbar, dass West noch vor dem Start des Sanierungsgebietes wegrutschen könnte. Dagegen müsse sofort etwas getan werden, sagt Heinz-Jürgen Thiessen. Er schlägt eine Diskussion samt Beschluss im nächsten Stadtrat vor. Zu viele leere Läden auf der Bahnhofstraße und in Altkötzschenbroda würden nicht nur ihm sehr zu denken geben. Für ein Sofortprogramm müsste sich ein fünfstelliger Betrag im Haushalt 2015 finden lassen. Vielleicht auch für Bänke auf den Fußwegen. Mit einem Immobilienmakler sollte die Stadt darüber sprechen, warum der Leerstand so hoch ist.
Auch Thomas Gey, SPD, mahnt, nicht aufs Sanierungsgebiet zu warten. Sondern sich bereits für die Juli-Ratssitzung etwas zu überlegen, um in West einzugreifen. Beispielsweise durch die Neuordnung des Verkehrs, speziell des ruhenden. Da sollte vor allem auf der Güterhofstraße etwas getan werden, so Michael Röhner, Linke.
Ob ein Sofortprogramm überhaupt möglich ist, muss geprüft werden, sagt OB Bert Wendsche (parteilos). Ein solches Programm sei im Zusammenhang mit dem geplanten Sanierungsgebiet zu sehen. Ist es förderlich oder eher kontraproduktiv? Zuallererst aber muss der entsprechende Antrag vorliegen. Neben den Stadtratsgremien würde sich die Verwaltung intensiv damit beschäftigen und schauen, was gemacht und wie es finanziert werden kann. „Wir werden das auf jeden Fall konstruktiv begleiten“, so der OB.
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